Ich gebe zu, dass Schicksal anderer Menschen berührt mich. Ich selbst hatte bei der Geburtslotterie Glück. Ich bin in eine liebevolle Familie geboren, ich bin gesund, mir geht es familär und wirtschaftlich gut. Nicht alle Menschen haben dieses Glück und diesen Menschen möchte ich helfen. Auf die Art, die mir am meisten liegt: als Organisator und jemand, der seinen Mitstreitenden Raum und Gelegenheit gibt, selbst aktiv zu werden.
Asyl
Mein Großvater mütterlicherseits, geboren im Sudetenland, kam nach dem Krieg mit Nichts außer den Kleidern am Leib aus der Gefangenschaft zurück. Seine Geschichten vom Krieg und vom Neuanfang in Bayern haben mich zutiefst beeindruckt.
Auch deswegen haben mich die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof 2014/15, als die Menschen in großer Zahl zu uns gekommen sind, sehr berührt. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause, an dem sie ihr Glück finden können. Die Eröffnung der Gemeinschaftsunterkunft in Zolling war dann der Zeitpunkt, in die Arbeit mit Geflüchteten einzusteigen.
Auf dieser Grundlage konnte ich 2022 bei der Invasion Russlands in die Ukraine binnen kürzester Zeit ein Netzwerk von neu-interessierten Helfenden organisieren. Natürlich nicht alleine, aber doch als treibende Kraft.
Heute bin ich Vorsitzender des Helferkreises Zolling für Asyl und Integration e.V. und Sprecher der Helferkreise im Landkreis Freising.
Integration
Während Asyl vor allem Papierarbeit erfordert, geht es bei Integration zunächst um Deutsch, Schule, Arbeit und Wohnung. Integration ist aber erst dann vollständig gelungen, wenn Menschen mit Migrationserfahrung selbstverständlicher Teil der ansässigen Bevölkerung geworden sind. Dazu gehört zum Beispiel bei den ortsüblichen gesellschaftlichen Anlässen und Festlichkeiten dabei zu sein.
Daher unser Stand am Adventsmarkt mit internationalem Fingerfood, zumeist afghanisch und ukrainisch. Oder der Stand beim Bürgerfest „Von Börek bis Baklava“ bespielt von den türkischen Frauen. Oder die regelmäßige Teilnahme an der Aktion Saubere Landschaft, mit einer halal Brotzeit. Oder das Team beim jährlichen Stockschützenturnier.
Sprecher der Helferkreise im Landkreis Freising
2015 haben sich viele Helferkreise gebildet und 2022 sind ebenfalls nochmals viele Menschen in die Geflüchtetenhilfe eingestiegen. Diese hat sich als Ewigkeitsaufgabe herausgestellt und auch der ständige Kampf mit der Bürokratie hat viele Gutwillige zermürbt. Die Helferkreise sind daher in vielen Gemeinden auf eine Handvoll Personen geschrumpft, wenn nicht ganz verschwunden.
Um sich nicht aus den Augen zu verlieren, haben sich die Helferkreise im Landkreis Freising vernetzt. Sie unterstützen sich gegenseitig, soweit möglich. Um gegenüber der Politik sichtbar und vernehmbar zu bleiben, wurde ich zum Sprecher der Helferkreise gewählt. Diese Aufgabe hat mich in den Integrationsbeirat des Landkreises geführt.
Integrationsbeirat
Aufgabe des Integrationsbeirates ist es, den hier lebenden Menschen ohne Wahlrecht eine politische Stimme zu geben. Als Sprecher der Helferkreise konnte ich bislang die Bedarfe von Geflüchteten als beratendes Mitglied einbringen. Als Kreisrat bin ich weiter Mitglied, nun in der Rolle desjenigen, der die Ideen des Integrationsbeirates in den Kreistag mitnimmt.
In der vergangenen Wahlperiode ging das Projekt „Onboarding ausländischer Mitarbeiter“ auf meine Initiative zurück. Der Gedanke war und ist, dass sich nicht-deutsche Mitarbeitende umso mehr engagieren und integrieren, wenn sie sich selbst und ihre Familien auch nach Feierabend und ausserhalb des Werkgeländes in Deutschland willkommen fühlen. Aufgrund seiner Demographie ist Deutschland dringend auf Zuwanderung angewiesen und muss sich daher entsprechend attraktiv aufstellen.




