Schlagwort-Archive: Literaturtipp

Mathe ist überall (59) – Mann des Vitruv als Signet eines Rock-Festivals

Die wohl bekannteste Darstellung des “Mann des Vitruv” stammt von Leonardo da Vinci. Man findet sie vielerlei verwendet z.B. auf der italienischen 1-Euro Münze der der elektronischen Gesundheitskarte. Oder auch verfremdet als Signet des Rock am Bad Festivals in Mittermarchenbach.

Übrigens: Klaus Schröer hat gemeinsam mit Klaus Irle da Vincis Proportionsstudie genauer untersucht und dabei einen Algorithmus zu Bestimmung von Pi entdeckt. Genaueres dazu in seinen Buch “Ich aber quadriere den Kreis…” erschienen beim MV-Verlag, Münster 2007 (Erstauflage 1998), ISBN: 978-3-86582-547-6.  Oder als Vortrag von Hubert Weller auf der ACDCA Tagung 1999 in Gösing dargestellt unter Nutzung des CAS Derive und DGS Cabri Geometry II.

Mann des Vitruv mit E-Gitarre

Mann des Vitruv mit E-Gitarre

Literaturtipp: S. Kitz: Dynamische Geometrie ohne Computer: Die mathematischen Trickfilme des Geheimen Schulrats Münch

Ein Literaturtipp für alle Freunde Dynamischer Geometriesoftware.
Sebastian Kitz: Dynamische Geometrie ohne Computer: Die mathematischen Trickfilme des Geheimen Schulrats Münch
erschienen bei Springer in Mathematische Semesterberichte Band 60, Heft 2, Oktober 2013

Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Beschränktheit des Geometrieunterrichts kritisiert, und eine Abwendung von Euklid gefordert unter anderem hin zu einer mehr dynamischen Sichtweise.In der Folge entstanden verschiedenartige Visualisierungen, mechanische Modelle, Daumenkinos und schliesslich mathematische Trickfilme. Die visionäre Kraft dieser Ideen ist einfach bewundernswert.

Der Graf der Graphen

Alain Hertz: Der Graf der Graphen

Kriminalistische Verwicklungen mit mathematischer Pointe

Diebstahl, Raub, Betrug, Erpressung – dass es sich nicht immer gleich um Mord drehen muss, wenn’s spannend sein soll, dass ist aus der Fernsehserie Schwarz Rot Gold dem ein oder anderen noch bekannt. Und das man auch Mathematik zum Lösen von Kriminalfällen gut gebrauchen kann, erfährt man unterhaltsam aber vielleicht nicht ganz so ernst zu nehmend in Numb3rs – Die Logik de Verbrechens. Dass Kommissar Manori nun aber alleine aufgrund graphentheoretischer Überlegungen seine Fälle löst, ist erfrischend.

In neun Kapiteln wird der Leser auf unterhaltsame Weise in die Graphentheorie eingeführt. Ein Mathebuch ganz ohne Formeln. Sehr empfehlenswert.

Alain Hertz: Der Graf der Graphen, 192 S, Br., erschienen bei SpringerVieweg unter ISBN: 978-3-8348-1814-0

Mathematik und Der Herr der Ringe

Auf der Suche nach Spuren von Mathematik im Herr der Ringe selbst bin ich nur wenig fündig geworden. Drumherum findet man aber die ein oder andere Perle.

Da gibt es die Ringe selbst: einen für Sauron, drei für die Elben, sieben für die Zwerge und neun für die Menschen. Ob die Symmetrie zur fünf beabsichtigt ist, weiß ich nicht zu sagen. Desweiteren: Die neun Gefährten und die neun Ringgeister; Drittes Zeitalter; drei Bände bestehend aus sechs Büchern; Bilbos ein und elfzigtser Geburtstag; Entfernungen die häufig als Zeiten angegeben werden; und dergleichen mehr. Zieht man das Silmarillion noch mit hinzu, kann man die drei Silmaril, die sieben Palantiri und anderes mehr ergänzen.

Tolkien hat aber nicht nur Sprachen und Schriften wie das Sindarin entworfen, sondern sich in diesem Zusammenhang offenbar auch mit den Zahlsystemen der verschiedenen Völker Mittelerdes beschäftigt. Eine interessante Zusammenfassung über die teils im Dezimal- teils im Duodezimalsystem entwickelten Zahlen bietet die Seite Eldarin Numerals.

Der Lord of the Rings Mathe-Blog bietet eine Handvoll eingekleideter Aufgaben, wird aber seit 2008 nicht weitergeführt. Eingekleidete Aufgaben bietet auch die deutsche Seite Hobbit Mathematik.

Ganz anders das Plädoyer, dass doch auch Elben, die die Natur doch lieben, sich mehr mit der Sprache der Natur – Mathematik – beschäftigen sollten: Why don’t Elves do Calculus?

Und wer zum wiederholten male über Polstellen hinweg integriert, der sei auf Gandalf rules! verwiesen.

Le Nombre d’or

Werbeposter der Reihe mit Band 1: Le Nombre d'or

Werbeposter der Reihe mit Band 1: Le Nombre d’or

Mitunter ist es schon faszinierend, zu welchen speziellen Themen man Zeitschriften im gut sortierten Pressefachhandel findet. Ich meine die meist übervoll gepackten Läden mit dem eher unauffälligen blauen Globus Symbol, in denen jeder Mann und jede Frau von der Wiege bis ins vorgerückte Alter mindestens eine Zeitschrift für sein Hobby findet – und sei es noch so ausgefallen. Überrascht war ich dann doch, als ich in diesem Sommer in Frankreich zufällig zwischen all den bunten Heftchen über die Reihe “Le monde est mathématique” gestolpert bin. Im Abstand von 14 Tagen erscheint jeweils ein neuer Band dieser Reihe. Band 1 behandelt den Goldenen Schnitt. In den Folgebänden geht es um Mathematik und Spionage, den langen Weg bis zur Unendlichkeit, nicht-euklidische Geometrie, der Satz des Pythagoras, das Geheimnis von Fermat, Pi, die vierte Dimension, Spieltheorie, Musik und Mathematik und viele andere spannende Themen mehr. Vieles erwartet man im Zeitschriftenhandel, doch eine Bücherreihe zur Mathematik? Da war ich baff.

Gibt es in Frankreich und in Spanien, auch dort scheint die Reihe zu erscheinen, ein größeres öffentliches Interesse an Mathematik? In Deutschland scheint es gesellschaftlich akzeptabel zu sein, Mathematik nicht zu verstehen und damit auch noch angeben zu können. Albrecht Beutelspacher hat dies in seinem Buch “In Mathe war ich immer schlecht” so herrlich auf die Schippe genommen. Ist dies in Frankreich und Spanien anders? Dies würde mich für die Mathematik in diesen Ländern sehr freuen.

Jedenfalls bewundere ich den spanischen Verlag RBA für seinen Mut, eine solche Reihe in einem solchen Umfeld zu publizieren. Es wäre schön, wenn er dies auch in Deutschland tun würde. Drei Jahre nach dem Jahr der Mathematik (2008) wäre dies eine tolle Sache.

Alice und Andreas Heyne: Leonhard Euler

Das Leben des großen Mathematikers Leonhard Euler in einem unterhaltsamen Comic aufbereitet. Das Leben des Menschen Leonhard Euler und sein Schaffen in einer unruhigen und aufregenden Zeit. Nicht ganz ernst gemeint. Mit flotter Feder gezeichnet.

A. Heyne, A. Heyne: Leonhard Euler – Ein Mann, mit dem Mann rechnen kann. Birkhäuser, Basel, 2007, ISBN: 978-3-7643-7779-3

Logicomix

Wer Mathematik und Logik bislang für staubtrockene Wissenschaften und ihre Vertreter für blutleere Geschöpfe hielt, bekommt dank der Graphic Novel Logicomix einen gänzlich anderen und herzlich erfrischenden Blick auf die aufregenden Seiten dieser Gebiete und ihrer Protagonisten. Das Ringen der Menschen hinter den abstrakten Begriffen, ihre von visionären Überzeugungen getriebene Suche nach den Grundlagen ihrer Wissenschaft macht ebendiese höchst greifbar und lebendig. Die Ideen werden zu Produkten ihrer menschlichen Leidenschaften, oft an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, immer auf der Suche nach den tieferen Wahrheiten unseres Seins.
Empfohlen für Mathematiker, die bislang vergeblich versuchten, ihren Freunden zu vermitteln, was sie an ihrer Wissenschaft so fasziniert.
A. Doxiadis, C. Papadimitriou: Logicomix, Atrium Verlag, Zürich 2010, ISBN: 978-3-85535-069-8

Albrecht Beutelspacher: ‘Das ist o.B.d.A trivial’ und ‘In Mathe war ich immer schlecht’

Klassiker der mathematikhaltigen Unterhaltungsliteratur. Sehr kurzweilig erzählt der Autor vom verzweifelten Ringen der nicht-mathematischen Menschen mit diesen Sujet und ihren Vertretern. Dass Mathematik spannend und aufregend, kreativ und ästhetisch sein kann, erschließt sich außer den Insidern nur ganz wenigen. Höchste Zeit für alle anderen, das Mathematikum in Giessen zu besuchen.

Albrecht Beutelspacher: In Mathe war ich immer schlecht… 5. aktualisierte Auflage, Vieweg + Teubner, Braunschweig und Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0774-8

Albrecht Beutelspacher: Das ist o.B.d.A. trivial! 9. aktualisierte Auflage, Vieweg + Teubner, Braunschweig und Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0771-7