Archiv der Kategorie: Kommunalpolitik/Politik

Kandidierendencheck von Abgeordnetenwatch

Screenshot Kandidierendencheck

Screenshot Kandidierendencheck

Zur Bundestagswahl gibt es einen Kandidierendencheck. Das ist so eine Art Wahl-O-Mat, halt nicht für Parteien (Zweitstimme) sondern für Kandidierende eines Wahlkreises (Erststimme). Wer also wissen will, welchem Kandidierenden er näher steht, der kann den Kandidierendencheck zu Rate ziehen. Dazu unter https://www.kandidierendencheck.de/bundestag Postleitzahl eingeben, 20 Thesen bewerten und Übereinstimmungen erkennen.

Entwickelt wurde der Kandidierendencheck von Abgeordnetenwatch e.V.. Der Verein bemüht sich seit 2004 um einen öffentlichen und transparenten Dialog zwischen Bürger*innen und Abgeordneten und Kandidierenden auf Bundes- und Europaebene. Bürger*innen stellen öffentlich online Fragen, die die teilnehmenden Abgeordneten und Kandidierenden ebenso öffentlich online beantworten. Desweiteren werden Recherchen zu Lobbyismus, Parteispenden und Nebeneinkünften werden in einem Blog veröffentlich.

Die Teilnahme an den Angeboten von Abgeordnetenwatch ist für Abgeordnete und Kandidierende freiwillig. Dennoch oder gerade deswegen ist es interessant, wer diesen Weg des Austausches mit den Bürger*innen nutzt und wer nicht.

Weitere Info: https://www.abgeordnetenwatch.de/

Klimaausblick Landkreis Freising

GERICS: Klimaausblick Landkreis Freising – die Färbung zeigt die bis heute bereits gestiegenen Temperaturen gegenüber der Vergangenheit

Der Klimawandel ist real. Er ist hier. Er ist jetzt. Er trifft uns alle. Nicht alle gleich, doch ist niemand ausgenommen. Auch nicht der Landkreis Freising. Im Pariser Klimaschutzabkommen wird von einem 1,5 Grad maximal 2 Grad Ziel gesprochen, dass es einzuhalten gilt. Wenn es dazu kommt – und das wird es – was bedeutet dies für uns hier im Landkreis Freising? Was kann man mit Wahrscheinlichkeit für die Zukunft vorhersagen? Welche Szenarien kann man erwarten?

Soviel vorweg: Der Klimawandel ist nicht der Weltuntergang, doch die Welt wird sich verändern. Das Leben wird auch unter Eindruck des Klimawandels weitergehen. Wir, jeder einzelne und wir alle gemeinsam, haben es heute in der Hand, wie sehr es uns treffen wird.

Auswahl des Landkreises Freising

GERICS, das Climate Service Center Germany gegründet 2009 und angesiedelt am Helmholtz Zentrum Geesthacht, hat erstmals auf Ebene eines Landkreises verschiedene Klimakenngrößen wie Temperatur, Hitzetage, Trockentage, Windgeschwindigkeit oder Starkregentage zusammengetregen. Die Ergebnisse zeigen die projizierten Entwicklungen dieser Klimakenngrößen im Verlauf des 21. Jahrhunderts: Für ein Szenario mit viel Klimaschutz, ein Szenario mit mäßigem Klimaschutz und ein Szenario ohne wirksamen Klimaschutz.(1)

Der Report für den Landkreis Freising (Stand August 2021) legt auf 19 Seiten detailliert die zu erwartende Entwicklung von heute bis Ende es 21. Jahrhunderts dar. Ich werde dieses Datum nicht mehr erleben, vielleicht noch den halben Weg bis dorthin. Meine Kinder vermutlich, meine Enkel mit großer Wahrscheinlichkeit. Es klingt weit weg, ist es aber nicht.

Die Szenarien unterscheiden sich je nachdem wie stark die getroffenen Klimaschutzmaßnahmen ausfallen: Kein, etwas oder viel Klimaschutz. Vorhersagen sind schwierig vor allem wenn sie die Zukunft betreffen, daher stützt sich die Studie nicht nur auf eine Modellrechnung, sondern vergleicht ganz viele. Auf diese Weise lässt sich immerhin ein Korridor möglicher Entwicklungen belastbar abschätzen.

Zunahme der Temperatur im Landkreis Freising je nach Szenario

Die Temperaturen werden zunehmen, ebenso wie die Anzahl der Sommertage, der Heißen Tage und der Tropischen Nächte. Entsprechend nehmen die Frosttage, die Spätfrosttage und Eistage ab. Die Tage über 5°C nehmen zu, ebenso wie die maximale Dauer von Hitzeperioden.

Niederschlagsmengen im Landkreis Freising je nach Szenario

Die Niederschlagsmengen tendieren eher zu einer Zunahme bei gleichzeitiger Zunahme der Trockentage. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, da die Zahl der Tage mit mehr als 20mm Niederschlag zunimmt, sprich, wenn es regnet, dann heftiger.


Quelle: Alle Bilder wurden entnommen aus Pfeifer S, Bathiany S, Rechid D: Klimaausblick Freising. Juni 2021, Climate Service Center Germany (GERICS),
eine Einrichtung der Helmholtz-Zentrum hereon GmbH.
https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise, zuletzt aufgerufen am 5.8.2021

Flächennutzung Welt – Bayern- Zolling

Globale Flächennnutzung seit Beginn der aktuellen Warmzeit

In seinem Tweet visualisiert Dr. Robert Rohde @RARohde die Veränderung der globalen Landnutzung in den letzten 12.000 Jahren, also seit der Ende der Eiszeit. Die Grafik zeigt eindrucksvoll wie sich die Landnutzung in globalen Maßstab im Laufe der Jahrtausende verändert hat. Da sich die Landmasse als solche nicht ändert, sind Verschiebungen unter den Nutzungsformen ein Nullsummenspiel: Das Wachstum einer Nutzungsform geht mit dem Verlust einer anderen Nutzungform einher. Kulturlandschaften entstehen, Naturlandschaften vergehen.

Entwicklung in Zentraleuropa seit der ersten urkundlichen Erwähnung Zollings

Das Projekt Antromes 12k DGG (Quelle) zeigt auf einer zoombaren Weltkarte die Entwicklung der Landnutzung. Für Zentraleuropa zeigen sich folgende Bilder:

  • Oben links: um 700 ist Zolling (erstmal 744 erwähnt) eingebettet in weite Waldlandschaften
  • oben Mitte: um 1600, am Vorabend der 30jährigen Krieges, waren in Zentraleuropa die Wälder gerodet und zu Ackerland geworden
  • oben rechts: bis 1800, zu Zeiten Napoleons, hat sich die Besiedlung weiter verdichtet
  • unten groß: selbst ursprüngliche Agrarlandschaften sind nun dicht bebaut

Süddeutschland in maximaler Vergrößerung (Karte nachträglich beschriftet):

Entwicklung in Bayern 1980 bis 2019

Laut Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz StMUV werden (Stand 2019) in Bayern täglich 10,8ha Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfäche umgewandelt, sprich bebaut. Auf’s Jahr gerechnet macht dies rund 39km² aus.

Quelle: StMUV

Auffällig ist, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche (+50%) schneller wächst als die Bevölkerungszahl (+20%)

Entwicklung und Situation in Zolling

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsverband München (PV) stellt auch für die Gemeinde Zolling wertvolle Daten zur Verfügung. So unter anderem im aktuellen Bericht die Flächennutzungsdaten 2009 bis 2019. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche stieg in den 10 Jahren des Berichtszeitraums um einen Prozentpunkt von 10,4% auf 11,4%, was einer jährlichen Steigerung von etwa 0,9% entspricht.

Bevölkerungszahl und Flächenverbrauch entwickeln sich synchron. (Quelle PV)

Die Verkehrsflächen haben mit 37.50% den größten Anteil am Flächenverbrauch, gefolgt von den Wohnbauflächen mit 22,56% und den Industrie- und Gewerbeflächen mit 12,67%. Für Sport, Freizeit und Erholung sind 3,94% ausgewiesen. (Quelle: PV)

Und was bedeutet das?

Über die letzten 10 Jahre gerechnet verbaut Zolling jährlich rund 0,9% seiner Fläche. Setzt man diesen Trend in die Zukunft fort, so wäre in etwa 230 Jahren alle Landfläche zu Verkehrs- und Siedlungsfläche umgewandelt. In 87 Jahren wäre die Hälfte der heutigen Freiflächen bebaut. 87 Jahre – das kann ein heute geborener Mensch durchaus erleben. Bei einer Verdopplung des Flächenverbrauchs auf 1,8% bräuchte es nur 110 Jahre, bis der letzte Acker planiert und der letzte Baum gerodet würde.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass wir bereits heute mit den Flächen haushalten müssen, um unseren Kindern und Enkeln noch lebenswerte und liebenswerte Natur zu hinterlassen.

Kiebitz, Rebhuhn und Eule

Nicht zuletzt dank des Naturschutzgebietes Amperauen mit Altwasser bei Palzing eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet Ampertal im Landkreis Freising entlang der Amper ist im Gebiet der Gemeinde Zolling zumindest dieser Bereich ein Kleinod des Naturschutzes. Auch wenn er teils mächtig Ärger verursacht, ist es doch schön, dass der Bieber hier wieder heimisch ist. Auf der meist träge, teils lebendig fließenden Amper sieht man viele Entenarten, die man in Stadtparks nie finden würde. Mit Glück erhascht man einen flüchtigen Blick auf einen Eisvogel an einem die Amper begleitenden Bächen.

Kiebitz (Quelle: Pixabay)

Entfernt man sich vom offenen Wasser und wendet sich in Richtung Wiesen und Felder so sieht es mit der Natur schon anders aus. Rehe sind recht häufig, im Winter auf den freien Äckern auch tagsüber anzutreffen. Fuchs, Dachs und Igel begegnet man da dämmerungs- und nachtaktiv naturgemäß selten, am ehesten noch sieht man sie tot am Straßenrand liegen. Auf den Feldern entdeckt man gelegentlich Feldhasen und Fasane, doch fast nie ein Pärchen Rebhühner. Zumindest in meinem Fall ist dies schon mehrere Jahre her, dass ich zuletzt das Glück hatte. Auch vermisse ich im Sommer das monotone Zwitschern der Feldlerchen. In den Wiesen im Ampertal hört man auch nur sehr selten die Kiwitt-Rufe des Kiebitzes. Abends auf der Terrasse im Garten sitzend fehlt das huschende Flattern der Fledermäuse und das geräuschlose Vorbeigleiten der Eulen.

Die genannten Tiere können auch ohne Expertenwissen leicht erkannt und beobachtet werden. Sie deuten stellvertretend daraufhin, inwieweit das Ökosystem, auf das sie angewiesen sind, in Ordnung ist. Sie fehlen, wenn auch nur Teile des Systems gestört sind. Nahrung, Nistplätze und Ruhezonen – wenn auch nur einer dieser Bereiche beeinträchtigt ist, dann ist es kein geeigneter Lebensraum mehr für diese Tiere und auch nicht mehr für zahlose andere Tiere und Pflanzen.

Rebhuhn (Quelle: Pixabay)

Wie schaffen wir es, dass der Kiebitz die Amperauen wieder besiedelt, die Rebhühner wieder in Ketten durch die Felder ziehen und die Eulen wieder in die Dörfer zurückkehren? Welche Maßnahmen können und müssen wir ergreifen? Welche Hindernisse stehen uns bei der Umsetzung im Wege?

Wenn auch Ihr diesen Mangel seht und Ihr Euch dazu austauschen wollt, so hinterlasst hier doch einfach Eure Nachricht.

Zukunft Kraftwerk Zolling

Beitrag im Freisinger Tagblatt

Im Juli 2020 haben Bundestag und Bundesrat den Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2038 beschlossen (Quelle). Davon ist nicht zuletzt das Kohlekraftwerk Zolling/Anglberg betroffen, auch wenn die Kohlekommission keine Aussagen zu einzelnen Standorten getroffen hat.

Wie es derzeit am Standort aussieht und wie es zukünftig dort weitergehen soll, davon berichtet das Freisinger Tagblatt in seiner Print-Ausgabe vom 19.02.2021. Um es mit den Worten eines früheren Innenminister zu sagen: Teile der Antwort könnten die Bevölkerung beunruhigen. Dies insbesondere wenn man an die rund 110 Arbeitsplätze denkt und auch die in der Vergangenheit teils heftig schwankenden Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde Zolling im Auge hat.

  • Das Kraftwerk wurde zur Verbrennung von Steinkohle gebaut. Durch die ‚Schwarzstartfähigkeit‘ ist der Standort wichtig für die Versorgungssicherheit. Ein Ende vor 2030 gilt daher als unwahrscheinlich. (Quelle)
  • Die Planungen für einen mit Gas befeuerten Block 7 wurden gestoppt. (Quelle) Andererseits wurde eine neue Erdgasleitung 2019 in unmittelbarer Kraftwerksnähe vorbeigeführt (‘Open Grid Europe‘). Die Option zur Umwandlung in ein Gaskraftwerk ist also offen gehalten.
  • Die Holzverbrennung in Block 6 liefern 21MW elektrische Leistung und 30MW thermische Leistung. Ein Bruchteil der steinkohle-betriebenen Blocks 5. (Quelle) Ob die thermische Verwertung von Biomasse ausgeweitet werden kann, ist unklar.
  • Teils wird getrockneter Klärschlamm (max. 5%) gemeinsam mit der Kohle  verbrannt. (Quelle) Ob dies zukünftig als Zumischung bei der Holzverbrennung geschehen kann, ist nicht bekannt.
  • Die Trocknung von Klärschlamm befindet sich noch immer in der Testphase. Bis wann diese abgeschlossen sein wird, ist unklar.

Teile der Antwort können aber auch beruhigen:

  • Der Artikel ist überschrieben mit „Strom aus Kohle immer weniger gefragt“. Für die Umwelt ein gute Nachricht, weil die ersetzte elektrische Leistung zunehmend aus Nicht-Kohle, sprich regenerativen Quellen stammt.
  • Im zweiten Teil der Überschrift wird beteuert: “Standort Anglberg dennoch sicher” Laut Beitrag arbeitet der Betreiber Onyx Power derzeit an Konzepten für ihre Standorte für die Zeit nach dem Kohleausstieg.
  • Die Fernwärme wird von zahlreichen großen wie kleinen Verbrauchern genutzt, die auf diese Versorgung angewiesen sind. Dieser Bereich muss also erhalten bleiben, wenn man entsprechende Kapazitäten nicht an anderer Stelle neu errichten will.
  • Selbst wenn der Standort nicht länger zur Energieerzeugung genutzt werden wird oder kann, so ist handelt es sich doch immer noch um einen voll erschlossenen Industriestandort mit funktionierende Infrastruktur einschließlich Bahnanschluss. Im Norden Münchens dürfte es nicht viele für Investoren vergleichbar interessante Standorte geben.

Hier geht’s zum vollständigen Beitrag des Freisinger Tagblatts vom 19.02.2021: https://www.merkur.de/lokales/freising/zolling-ort377209/strom-aus-kohle-immer-weniger-gefragt-90209784.html

Grünes Band Zolling?!

Dieser Tage zierte die Sondermarke „Grünes Band Deutschland“ einen meiner Briefe. Seit März 2020 gibt es diese Marke. Sie ist die Botschafterin eines herausragenden Naturschutzprojektes, das sich auf 1400km Länge quer durch Deutschland entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zieht. Bereits in den 1970er Jahren wurde die ökologische Bedeutung dieses schmalen Streifen Lands erkannt, wenige Wochen nach Mauerfall in Dezember 1989 in einer ersten Resolution die Schutzidee festgeschrieben. 2004 wurde die Grundlage gelegt für eine Weiterführung als Grünes Band Europa (European Green Belt) von Eismeer in Norwegen bis zum Schwarzen Meer an der Bulgarisch-Türkischen Grenze.

Wer nahe des Schreckens der innerdeutschen Grenze aufgewachsen ist, so wie ich, erkennt in dem Grünen Band nicht nur die ökologische Dimension, sondern auch und vor allem die menschen- und länderverbindende Idee. Wenn es die Vision eines geeinten Europas nicht schön gäbe, man müßte sie glatt erfinden.

Screenshot aus Geoportal Landkreis Freising

Screenshot aus Geoportal Landkreis Freising

Radelt oder wandert durch die Fluren der Gemeinde Zolling fällt einem die saubere Trennung von Feldern, Wiesen und Wäldern auf. Was auch immer vor der Flurbereinigung an Hecken, Rainen, Streuobstwiesen oder einzeln stehenden Bäumen vorhanden war, es ist zu großen Teilen nicht mehr. Das Ampertal einschliesslich seiner südlichen und nördlichen Hänge ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen; als Naturschutz- bzw. FFH-Gebiet im Wesentlichen nur schmale Streifen unmittelbar entlang der Amper und ihren Altwassern.

Um diese ausgewiesenen Flächen brauchen wir uns nicht sorgen. Für diese gibt es Strukturen, Einrichtungen und Budgets für den Erhalt und die weitere Entwicklung. Vielmehr stellt sich mir die Frage, wie man die vorhandenen grünen Inseln miteinander vernetzen kann.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Flechtwerk grüner Bänder von Palzing bis Abersberg, von Moos bis Oberappersdorf. Bestehend aus Magerrasen, Streuobstwiesen, Hecken und Bäumen, auch Kleingewässern, Sauerwiesen und sumpfigen Quellbereichen. Um für Tiere und Pflanzen Verbindungen zu schaffen. Um die Landschaft aufzulockern und kleinräumiger zu strukturieren. Um aus leeren Weiten ein abwechslungsreiches Gefüge zu formen.